Rotes Satin
Eigentlich liebe ich das, aber ich hasse es.
Das Wochenende, eigentlich als völlig langweiliger Zeitvertreib mit Hausputz und Fernsehen geplant, verlief anders.
Es verlief angenehm, etwas zu angenehm.
Es ist Freitag Nachmittag, 15:00 Uhr
Ich bin zuhause und wasche mein Geschirr, erledige lästige Hausarbeiten und langweile mich. Das Fernsehprogramm gibt nichts her, genau so wenig wie mein Geldbeutel. Ich sitze auf dem Sofa und lese einen Artikel im kostenlosen Dorfblättchen, der mich eigentlich nicht interessiert. Ich bin entspannt, aber innerlich unzufrieden, versuche "nicht nachzudenken", aber ich schaffe es nicht.
Ich fühle mich alleine, einsam, nein.... ich bin einsam.
Es ist Freitag Nachmittag, 17:00 Uhr
Ich rufe eine gute Freundin an, frage was sie so gerade macht und ob sie nicht Lust hat sich mit mir nen gemütlichen Fernsehabend zu machen.
Sie tut das Gleiche wie ich ( nichts ).
Sie sagt ich soll vorbeikommen und sie besuchen.
Es ist Freitag Abend, 19:00 Uhr
Ich sitze bei der guten Freundin auf dem Sofa, trinke Tee, der Fernseher läuft, wir labern über Gott und die Welt, über den Alltag, belangloses Zeug....
Wir lachen, schauen fern...
Es ist Freitag Abend, 22:00 Uhr
Ich deute an dass ich wohl langsam nachhause muss, denn sie muss Samstags arbeiten und früh raus. Sie setzt sich zu mir aufs Sofa, räkelt sich an mich und flüstert mir ins Ohr "ich hab morgen frei"
Ich kenne sie und weiss was das bedeutet. Ich habe bereits bei meiner Ankunft durch ihre leicht durchsichtige weisse Kleidung ihre rote Satin Unterwäsche gesehen, welche mir ebenfalls bekannt ist. Auch die brennenden Kerzen die die kleine Wohnung in eine warme und sehr angenehme Atmosphäre hüllen sind mir natürlich nicht entgangen.
Ich weiss was sie meint wenn sie mir zuflüstert dass sie "morgen frei hat".
Das passiert nicht zum ersten mal, und ich freue mich, denn sie ist eine überaus attraktive Frau die wohl für jeden Mann äusserst begehrenswert erscheint.
Es ist Samstag Morgen, 9:00 Uhr
Ich liege im Bett, das mit schwarzem Satin bezogen ist.
Ich bin nicht zuhause.
Ich bin dort wo ich schon öfter war in letzter Zeit.
Es durftet nach Kaffee, vor dem Bett liegt Unterwäsche, rotes Satin.
Ich reibe mir den Schlaf aus den Augen und stehe auf. Gehe ins Bad und mache mich frisch, ziehe mich an und gehe ins Wohnzimmer. Ich küsse sie, wir trinken Kaffee.
Es ist Samstag Mittag, 12:00 Uhr
Ich bin zuhause. Ich vermeide es nachzudenken so gut es geht.
Sie hat keine Waschmaschine und ich wasche ihre Wäsche. Freunde tun sowas und es macht mir nichts aus dass sie wieder nasse Handtücher in ihren Wäschesack gestopft hat. 2 Machinen Buntwäsche sind fertig und hängen zum trocknen auf dem Wäscheständer.
Ich bekomme eine SMS: "Hallo Schatzi. Heute kann ich leider nicht, bin bei meiner Schwester".
Ich vertreibe mir den Rest des Tages mit Langeweile.
Abends seh ich mir ne DVD an. "Riddick", ich weiss nicht zum wievielten mal.
Ich denke nach.
Geh bitte raus aus meinem Kopf, du hast da nichts verloren, ich will das nicht.
Es ist Sonntag Morgen, 11:00 Uhr
Ich bekomme eine SMS: "Holst du mich heute ab ? Wir könnten zusammen was leckeres kochen. Später am Nachmittag ?"
Ich schreibe zurück: "Gerne, meine Blume. Freu mich. :-) Sag mir wann."
Antwort: "ich schick dir ne SMS wenn ich zuhause bin"
Gleich darauf kommt ein Anruf: "Hallo. Ich bin noch bei meiner Schwester. Kannst du mich so gegen 16:00 Uhr zuhause abholen ? Dann kochen wir was Feines bei dir."
Ich sage "ja klar, ich komm dann rüber"
Ich sehe mich um. Der Vogelkäfig meiner beiden Wellensittiche hats nötig. Die ganze Wohnung hats nötig. Ich habs etwas schleifen lassen in letzter Zeit.
Ich reinige den Vogelkäfig, packe den Staubsauger aus ( ich hasse dieses Ding ) und eile säubernd durch die Wohnung.
Es ist Sonntag Nachmittag 15:45 Uhr
Die Wohnung ist in annehmbarem Zustand.
Ich bin im Bad, habe gerade geduscht, Zähnchen sind geputzt, ich rieche gut weil ich weiss welchen Duft sie an mir mag. Bin gut gekleidet, man könnte sagen ich bin bereit. Ich sehe in den Spiegel. Ich verstehe mein Handwerk, ich bin ein begehrenswerter Mann, äusserlich, und ich weiss das.
Es sind keine Geigen da. Keine Schmettrlinge. Nur Erinnerungen, Reste, Fragmente einer vergangen Zeit. Bruchstücke von Erinnerungen, Momente. Diese Zeit war nicht schön, aber sie fehlt mir.
Ich fahr los um sie abzuholen.
Es ist Sonntag Abend 20:00 Uhr
Das Essen war wirklich sehr lecker. Sie ist eine fabelhafte Köchin und ich staune immerwieder wie sie aus so wenig so viel zaubern kann. Beim Kochen war ich nur Statist, hab den Salat geputzt...
Sie ist sehr nett anzusehen heute. Ich sehe wieder rotes Satin durchscheinen, welches mir aber unbekannt vorkommt. Das ist neu, das kenne ich noch nicht.
Heute macht sie mir Spass, ich kann kaum aufhören sie anzusehen, bleibe aber wie gewohnt sehr souverän. Ich weiss was Damen gefällt an mir und ich setze es ein, was sonst sollte ich tun ?
Es ist Sonntag Abend 23:30 Uhr
Sie ist auf meinem ultrabequemen Sofa eingeschlafen. Vorher hat sie sich was gemütliches angezogen aus meinem Kleiderschrank. Meine Schlabberhose und mein T-Shirt sind ihr viel zu gross. Ich weiss dass sie sich hier wohlfühlt. Sie schläft immer ein wenn sie hier ist, früher oder später, vorm Fernseher, wie früher. Dieser Ort war ihr zuhause und ich glaube es geht ihr gut wenn sie hier ist. Irgendwie scheint sie hier innerlich zur Ruhe zu kommen, sich geborgen zu fühlen.
Viele Damen sagen mir dass dieser Ort sehr gemütlich sei, man fühle sich sehr wohl hier, in meiner Gegenwart. Das macht mich stolz, dennoch, ich kann diesen Ort nicht mehr mein Zuhause nennen. Ich bin hier zu oft einsam, und habe zu viele Altlasten zu tragen. Aber ich kann hier nicht weg. Noch nicht.
Ich erinnere mich daran dass ich selbst, mein Inneres, jetzt keine Rolle spielt. Gut dass sie schläft. Sie ist wirklich schön wenn sie schläft. Natürlich auch wenn sie wach ist.
Ich weiss dass sie morgen arbeiten muss. Ich wecke sie sanft und wir begeben uns in mein viel zu grosses Bett.
Es ist Montag Morgen 6:00 Uhr
Der Wecker macht krach. Ich denke "oh nein".
Ich fühle ihre Hand auf meinem Rücken. Die Nacht war kurz.
Es ist Montag Morgen 8:00 Uhr
Ich bin wieder zuhause. Hab sie zur Arbeit gefahren.
Auf dem Rückweg hab ich noch Eier gekauft.
Heute mach ich mir Rührei und Salat.
Es ist Montag Morgen 10:30 Uhr
Ich sitze hier und überlege ob ich auf den Button "Mitteilung veröffentlichen" klicke, oder lieber nicht.
Ich denke es ist nicht gut mein Privatleben zu offenbaren, zumindest nicht in diesem Masse.
Ich denke es könnte einen falschen Eindruck erwecken, aber andererseits, warum eigentlich nicht. Sind wir nicht alle Seelenexibitionisten, auf die ein oder andere Art und Weise ?
Ich werde draufklicken.
Warum ich das tue ?
Ich weiss es nicht.
Vielleicht weil ich weiss was jetzt wieder kommt.
Die Stille kehrt wieder ein. Diese erdrückende Leere in mir, die mich verrückt macht.
Ich muss aufstehen und versuchen meine Welt in Ordnung zu bringen.
Klingt selbstmitleidig ?
Nein, bin ich nicht. Ich habe kein Mitleid mit mir selbst. Es geht mir nicht schlecht, denn das was ich fühle ist mir nicht unbekannt. Auch das was ich tue ist nichts neues.
Ich bin nur müde, das ist alles. Wenn ich müde bin neige ich dazu zu viel zu erzählen. Schliesslich ist das hier ein Blog, und in einem Blog erzählt man, ist es nicht so ?
Es ist Montag Morgen, 10:35 Uhr
Ich habe diesen Artikel veröffentlicht.
Den Rest des Tages werde ich tun was ich immer tue, nach Arbeit suchen, die Wohnung putzen, fernsehen, lesen, langweilen, versuchen "nicht nachzudenken", aber es wird mir nicht gelingen.
Ich werde sie morgen Nachmittag treffen, wenn ich ihr ihre Wäsche bringe.
Wir werden belangloses Zeug reden, ne Stunde fernsehen und dann mach ich mich auf den Heimweg. Wir sind Freunde und das ist gut so.
Lass mich in Ruhe, bitte, geh raus aus meinem Kopf und raus aus meinem Herz, du hast hier nichts verloren.
Ich fühle mich einsam, nein... ich bin einsam.
Bis zum nächsten Wochenende, vielleicht,
wenn ich wieder das sein werde was ich so gut sein kann, aber in mir drin so wenig bin....
6 Comments:
Sehr intensiv und mitfühlenswert. Was soll es werden?
Nichts wird es werden, zumindest nicht von meiner Warte aus betrachtet, oder zumindest nicht in absehbarer Zeit.
Dafür ist zu viel geschehen, mein halbes Leben lang.
Ich tue nur was man von mir erwartet, bzw. gebe das was man von mir möchte. Mehr nicht.
(Nein liebe Damen, ich bin kein Schwein. Das Ganze hat eine Geschichte)
Na, wenn das keinen Ärger gibt...
Eine(r) wird sich am Ende unwohl fühlen... Nützt ja nichts.
Stimmt, mit Sicherheit...
Ganz wohl ist mir dabei auch nicht. Ihr auch nicht, wie sie sagt, denn verstehen tut sie das nicht. Ich auch nicht, aber man(n) muss ja nicht alles verstehen...
Frauen, man könnte sie durchaus als "meine Schwäche" bezeichnen.
Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf irgendwann jemanden zu finden bei dem ich denken kann "bleib in meinem Kopf, und in meinem Herzen".
Denn es war nicht alles schlecht die letzten 15 Jahre mit der Dame in rotem Satin und wenn ich auch langsam zum oberflächlichen Arrrrr...(meisenbär ) mutiere habe ich den Glauben an die Liebe noch nicht beerdigt...
Nur mein Glaube an die Vernunft,
der ist vollständig den Bach runter zur Zeit.
Ne gute Freundin von mir meinte mal:
"Weißt du was das Beste wäre? Einfach nur unverbindlicher Sex mit einem guten Freund, ohne das es die Freundschaft belastet. Weißt, keine Verantwortung oder Verbindung oder so..."
Schon damals wusste ich das sie recht hat (gut, damals... so lang isses noch nicht her), aber das sowas nicht geht.
Und den Glauben an die Vernunft verloren zu haben ist in meinen Augen der erste Schritt sich bereit für die Liebe zu machen (oder man ist bereit diesen Glauben von einen Tag auf den nächsten über Bord zu werfen) - das eine schließt das andere aus...
Die Wäsche ist fertig....
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