Freitag, Juli 15, 2005

Liebe ?

Auf die Idee mir diese Gedanken zu machen kam ich nachdem ich diesen Beitrag in Jims Blog gelesen habe.

Wir haben hier also einen jungen Mann der sich die Frage stellt, was wohl Liebe ist.
Nun, ich gestehe dass ich nicht vermag auszudrücken was ich unter Liebe verstehe, oder zu sagen ob das was ich empfinde, für den ein oder anderen Menschen, "Liebe" genannt werden kann. Und das obwohl ich jetzt seit fast 36 Jahren mein Unwesen treibe in diesem Leben, und auch relativ früh angefangen habe, was Partnerschaften und Liebe betrifft.
Aber trotzdem glaube ich sagen zu können dass ich sehr wohl weiss was Liebe ist.

Zu Partnerschaften habe ich folgendes zu sagen:
Der geneigte Leser wird beim durchlesen meiner letzten Beiträge festgestellt haben dass ich zur Zeit etwas, naja nennen wir es mal "untriebig" bin. Das kommt in erster Linie daher dass ich Single bin. Dies war ich natürlich nicht immer. Genauer gesagt habe ich von der "Roten Satin Blume" gesprochen, in einem oder zwei meiner Beiträge. Hierbei handelt es sich wie man sich denken kann um meine ehemalige Partnerin, mit der ich bis vor einiger Zeit durchs Leben ging, 15 Jahre lang.
15 Jahre sind eine sehr lange Zeit für eine Partnerschaft. Wir waren nie verheiratet und blieben kinderlos. Getrennt haben wir uns nachdem ein anderer Mann in ihr Leben trat ( der sie kräftig verarscht hat -> ÄTSCH ! ) und nachdem ich selbst menschlich ziemlich fertig war in dieser Partnerschaft, die die letzten Jahre eigentlich keine mehr war. ( eines vorweg, ich bin geblieben bis zum Schluss )
Sie wohnt jetzt ein paar Ortschaften weiter, ich hab ihr geholfen bei der Wohnungssuche und Einrichtung und wäsche zur Zeit noch ihre Wäsche usw...
Mit anderen Worten, ich bin ihr Freund geblieben, aber ich habe sehr schnell beschlossen nicht mehr "ihr Mann" zu sein, der ich so lange Zeit war.
Ich kann mit Stolz sagen, dass ich dieser Frau immer sehr treu war. Nicht ein einziges Mal hatte ich Kontakt zu anderen Frauen, wärend unserer Beziehung.
Sicher war dies einmal Liebe. Wir haben sehr viel zusammen durchgemacht, sehr schlechte Zeiten und auch ein paar Gute.
Heute verbindet mich mit ihr emotional kaum noch was. Natürlich tut es weh und fühlt sich komisch an wenn ich mal wieder ein Wochenende bei ihr verbracht habe, oder sie bei mir, und ich dann nachhause gehe.
Aber ich gedenke dies abzustellen, zumal ich mich in letzter Zeit zu oft über sie geärgert habe, bzw. über ihr sehr selbstsüchtiges Verhalten und auch über falsche Freunde.
Wenn eine solche Geschichte zuende geht zeigen viele Menschen ihr Gesicht, und das ist gut, denn dann weiss man plötzlich sehr genau wo man selbst steht.
Ich weiss nicht was es ist, warum es nicht so weh tut wie ich es eigentlich erwartet hätte. Vielleicht ist es der Umstand dass ich bereits vor Jahren innerlich abgeschlossen hatte mit der Liebe zu dieser Frau. Ich würde lügen wenn ich behaupten würde dass ich nichts für sie empfinde, aber es ist auf keinen Fall das was ich mal empfunden habe. Ehrlich in keinster Weise vergleichbar, und wenn sie jetzt zurückkommen wollte würde ich dies kategorisch ablehnen.
Warum ? Weil ich sie nicht mehr liebe.
Ich möchte nicht mit einem Menschen leben den ich nicht liebe, und aus diesem Grund will und werde ich nicht mehr mit ihr zusammen sein, auch wenn es das vielleicht ist was sie sich auszurechnen scheint. ( ich verwende übrigens niemals den Terminus "niemals". Sag niemals nie )
Nebenbei bemerkt, vor zwei Stunden hab ich mich etwas verkracht mit ihr und ihrer Schwester, weil man mich irgendwie nur zu brauchen scheint wenn es ihnen schlecht geht und man weder Geld noch was zu essen hat. Die letzte Maschine Wäsche läuft gerade, und es wird die letzte bleiben.
Soviel hierzu. Aber sie wird in den nächsten Tagen wieder angeschleimt kommen, wenn es sie nach mir gelüstet und ich werde wieder nachgeben. Fragt mich nicht warum, aber als Mann reizt sie mich. Als Mensch nicht mehr.
Klingt als wäre ich ein Schwein ?
Gut passend für die "Männer sind Schweine"-Schublade die die Damenwelt so gerne pauschal benutzt ?
Nun, vielleicht bin ich das. Vielleicht aber auch nicht.
Lest weiter ;-)

Selbstverständlich gab es vor dieser Dame auch andere Beziehungen, kurzzeitige und langzeitige. Ich habe bereits sehr früh auf eigenen Beinen gestanden ( gezwungenermassen ) und habe auch früh mit einer Freundin/Partnerin zusammengelebt.
Michaela war ihr Name, und sie hat mich böse betrogen, 4 Jahre lang.
Diese Sache nahm damals ein ziemlich übles Ende und ich habe lange sehr gelitten. Ich war noch jung und hatte wenig Erfahrung mit sowas. Da macht man Fehler, kann sich selbst und das was man dann fühlt nicht immer kontrollieren.
Auch sie habe ich sehr geliebt, damals.
Wenn ich sie heute sehe, was ab und an vorkommt, fühle ich nichts. Das wundert und freut mich zugleich immerwieder.
Keine Liebe mehr für sie, aber es war einmal Liebe, vor langer Zeit.

Auch davor und dazwischen gab es diverse Beziehungen, meist kaum der Rede wert aber oft mit heftigen Gefühlen meinersets verbunden.
Meine Jugendliebe, die mit einem überaus traumatischen Ereigniss endete, habe ich bis heute nicht wirklich überwunden. Jedenfalls tut es weh wenn ich an Sandra denke. Deshalb versuche ich es zu vermeiden, was aber nicht gelingt. Ich habe im Laufe der Zeit gelernt diese Art von Liebesschmerz zu schätzen als etwas das ich in mir trage, bis dieses Leben irgendwann zuende ist. So ist sie mir in Erinnerung geblieben.

Mein Problem ist, dass ich ein sehr emotionaler Mensch bin.
Obwohl ich als "gebranntes Kind" eigentlich das Feuer scheuen sollte, fühle ich mich als Mensch immerwieder zu Frauen hingezogen. Emotional binde ich mich gerne zu schnell, was aber nicht heisst dass ich ein Klammeraffe bin. Im Gegenteil.
In letzter Zeit tobe ich mich etwas aus, konzentriere mich darauf Mann zu sein und weniger Partner oder Freund, denn ehrlich gesagt tut mir das einfach mal gut. Ich hab jetzt die letzten 20 Jahre in Beziehungen verbracht die immer irgendwie scheiße geendet sind. Jetzt nehme ich mir meine Auszeit, solange bis der nächste Engel meinen Weg kreuzt und ich mich wieder verliebe.

Ich habe mich viel mit Fragen wie "was ist Liebe" oder "warum bin ich ?" beschäftigt.
Viel habe ich gesehen in meiner noch recht kurzen Lebensspanne und viel erlebt. Ich war bettelarm und ebenso auch vermögend, mehrmals im Leben. Ich hatte gute Partnerschaften und auch Schlechte. Dies hat mich bescheidener werden lassen und heute versuche ich eigentlich nur eines zu erreichen, möglichst oft glücklich sein.
Hierzu habe ich für mich erkannt dass ich loslassen muss was nicht glücklich macht.
Dies tue ich sehr konsequent, und wenn es bedeutet dass ich Liebe loslassen muss tue ich dies, auch wenns weh tut.

Was aber ist nun Liebe ?
Ich habe sie gefühlt und ich fühle sie noch. Zur Zeit nicht so stark und nicht gerichtet auf einen einzelnen Menschen, aber ich fühle durchaus Schmerz in meinem Herz der mich an Sehnsucht erinnert. Die Sehnsucht die entsteht wenn man sich an eine Liebe erinnert die nicht mehr existiert.
Auch habe ich erlebt wie es ist wenn Liebe stirbt, wenn Liebe aufhört, und auch wie es ist wenn Liebe ins Gegenteil umschlägt. Obwohl ich ( zum Glück ) nicht fähig bin jemanden zu hassen, aber ich habe erlebt wie es ist von jemandem gehasst zu werden.
Auch diese Gefühle sind mir nicht unbekannt.
Man könnte sagen ich kenne die Bedeutung des Wortes "Einsamkeit".

Aber was ist Liebe denn nun ?
Ich weiss es nicht.
Es war und es ist jedesmal anders, es fühlt sich immer anders an.
Wenn ich sie definieren müsste, würde ich sagen es ist Liebe mit einem Menschen durchs Leben zu gehen in schwersten Zeiten, auch dann wenn man die Liebe zu diesem Menschen selbst nicht mehr fühlen kann.
( hab ich gemacht, lange harte und dunkle Jahre )
Und es war Liebe wenn man sich daran erinnern kann.

In dieser sehr untriebigen und turbulenten Zeit die ich momentan durchlebe habe ich eines gemerkt. Es fehlt mir sehr einen Menschen zu lieben. Zur Zeit liebe ich niemanden wirklich, und das ist etwas was mich nicht glücklich macht. Ich hoffe dass ich mich bald wieder verlieben kann, ungeachtet der Tatsache dass Liebe wohl immer auch Sehnsucht und Schmerz bedeutet. Dennoch möchte ich nicht darauf verzichten denn sie fehlt mir, die Liebe.
Leider kann ich nicht bestimmen wann oder wie das passiert. Aber ich weiss dass es passieren wird, irgendwann.
Und ich freue mich darauf. :-)

Ich weiss nicht wirklich mit Worten zu sagen was Liebe ist.
Aber ich weiss wie sie sich anfühlt.
Und ich weiss trotz grösstem Kummer und Schmerz den die Liebe mir gebracht hat im Leben, dass ich mich immer wieder auf sie einlassen werde.
Auf die Liebe die uns die Gefühle gibt die uns wahrhaft Mensch sein lassen, die uns das Leben lebenswert erscheinen lassen, bis sie uns wieder verlässt, die Liebe.

Warum sonst würde es sich lohnen zu leben, wenn nicht für die Liebe,
und für die immerwährende Hoffnung auf eine glückliche Zeit.

7 Comments:

Blogger Michel said...

Sehr schön geschrieben.

Freitag, 15 Juli, 2005 
Blogger raphael m. said...

Danke.

Freitag, 15 Juli, 2005 
Blogger Jim said...

Irgenwdie erinnerst du mich SEHR STARK an einen guten Kumpel meinerseits (nicht nur vom INhalt her, auch von der Art zu reden).
Aber was so eine alte Story die man irgendwo ausgräbt alles bewirken kann... hätte ich gar nicht gedacht.

Freitag, 15 Juli, 2005 
Anonymous J. said...

Hi. Wie schon bei Bandini kommentiert, finde ich diesen Beitrag ziemlich hart, ziemlich verbittert...
Liebe ist Sehnsucht, Liebe ist Warten... ich weiß nicht.
Gut, mein Liebeskonzept ist vielleicht auch ein anderes, und ich habe gelernt, dass alle denkbaren Liebeskonzepte einen glücklich oder traurig machen können, dass es kein richtiges gibt, aber ich lade dich ein, mal meine Definitionen (s. Link) zu lesen, vielleicht besonders die aus einer e-mail an eine Freundin.
(http://www.freieslieben.net.ms/?z=1104657960)

Sie ist zwar eine Definition von freiem Lieben, aber das ist halt einfach mein Wort für die Art zu lieben, die ich versuche.

Samstag, 16 Juli, 2005 
Blogger raphael m. said...

Na, da hast du mich aber gründlich missverstanden, denn verbittert bin ich überhaupt nicht.
Ich sagte ja, dass die Liebe was sehr positives ist auf das ich in keinem Fall verzichten möchte. Und ich bin bereit den Schmerz den sie mit sich bringen kann in Kauf zu nehmen.
Ich hab nicht gesagt dass Liebe = Schmerz ist oder Liebe = Warten. Das wäre zu negativ.
Ansonsten teile ich deine Auffassung die du in deiner E-Mail an eine Freundin geschrieben hast weitestgehend.
Momentan bin ich eben leider in der unglücklichen Lage niemanden zu haben den ich liebe. Darin sehe ich ein persönliches Problem, denn dieser Zustand, das Fehlen von Liebe, ist nicht sehr befriedigend. Man fühlt sich leer und auch irgendwie unnütz. Darum gedenke ich diesen Zustand zu ändern indem ich mich verlieben möchte. Das Problem hierbei liegt nur darin dass ich wohl kaum bestimmen kann wann dies geschieht oder in wen. Ich glaube kaum dass man sowas steuern kann, zumindest konnte ich das noch nie.

Samstag, 16 Juli, 2005 
Anonymous J. said...

Achso! Na, da bin ich beruhigt :)
Tja... dann bleibt mir nur zu empfehlen, einfach mal drauflos zu lieben, vielleicht nur für den Moment.
Es muss ja nicht immer gleich die Frau fürs Leben sein, manchmal tut's auch ein schöner Satz, ein Lächeln oder ein klasse gewachsener Baum.

Weil, so glaube ich, Liebe nichts ist, was erst im Dialog entsteht, sondern etwas, das man in sich hat.
Mehr eine Einstellung als ein Ereignis.

Samstag, 16 Juli, 2005 
Blogger raphael m. said...

Diese Einstellung teile ich absolut !
Heute zum Beispiel war ich voller Liebe für diese schöne Kellnerin, die gestern so freundlich zu mir war und mir ihr Lächeln schenkte, und auch schöne Worte.
Und dieses Gefühl zu haben war wirklich sehr schön.
Jetzt hoffe ich natürlich dass daraus mehr wird, was aber momentan eher unrealistisch erscheint.
Sollte es also dabei bleiben, bin ich bereits jetzt dankbar für dieses Gefühl das sie mir gegeben hat, gestern Abend und heute.

Samstag, 16 Juli, 2005 

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